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2026 Allgemein Ruwenzori Uganda

Unser Projekt „Region Ruwenzori – Medizinbus“ – Informationen zum Thema „geschlechtsspezifische Gewalt“

Bild: Sandy Fisher beim Vortrag

In der Nilepost erschien am 15.03.26 ein Artikel über die zunehmende geschlechtsspezifische Gewalt und Schwangerschaften bei Jugendlichen. Diese Entwicklung löste besonders in den Gemeinden um den Hauptort Kasese große Besorgnis aus. Unsere Kommune Ruboni liegt dort in der Nähe.
Nachfolgend eine gekürzte Übersetzung dieses Artikels von Fahad Masereka und einige Erläuterungen von unserer Seite:

Behörden und Organisationen schlagen Alarm wegen steigender Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt und Schwangerschaften bei Jugendlichen in den Gemeinden. Sie warnen, dass diese Entwicklungen besonders die Sicherheit und das Wohlergehen von Frauen und Kindern gefährden.

Neue Erkenntnisse der International Justice Mission (IJM) zeigen, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder weiterhin weit verbreitet ist. Sechs von zehn Frauen und Kinder erleben körperliche und / oder emotionale Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen. Emmanuel Emwamu, Regionalleiter West der IJM, sagte, dass das Ausmaß des Problems besonders in ländlichen Gebieten alarmierend ist, wo selten Vorfälle durch Betroffenen gemeldet werden. Laut den Daten der IJM geht man von 70 % ungemeldeten Fällen aus. Es handelt sich um ein tief verwurzeltes Problem.
Dabei ist die sexuelle Gewalt gegen Mädchen besonders besorgniserregend. Etwa 77 Prozent sind betroffen – das bedeutet im Umkehrschluss: nur etwa zwei von zehn Mädchen erleben in ihrem Leben keine sexuelle Gewalt.

Auch Gesundheitseinrichtungen im Bezirk Kasese berichten über beunruhigende Entwicklungen. Im Allgemeinen Krankenhaus von Rukoki gibt es monatlich etwa 592 Geburten. Davon betreffen etwa 95 bis 100 minderjährige Mütter. „Schwangerschaften bei Jugendlichen sind eine große Herausforderung“, sagte Krankenhausleiter Dan Mbahimba. Viele der schwierigen Geburten betreffen junge Mütter. Oft müssen Kaiserschnitte durchgeführt werden, weil ein jugendlicher Körper noch nicht vollständig für eine normale Geburt entwickelt ist.

Das Königreich Obusinga Bwa Rwenzururu in Westuganda hat beschlossen, gegen Gewalt und Schwangerschaften bei Jugendlichen vorzugehen. Dies ist Teil seines Fünf-Jahres-Entwicklungsplans. „Als Institution haben wir das Thema geschlechtsspezifische Gewalt und frühe Schwangerschaften in unserem Fünf-Jahres-Plan zu einer Priorität gemacht. Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen, um die Gemeinden zu informieren und die Rechte von Frauen und Kindern zu schützen“, sagte Premierminister Benson Kule Baritazari (Er ist Premierminister dieses Königsreichs, eine Art Landrat mit eingeschränkten Befugnissen).

Zentrale Forderungen umfassen mehr Aufklärung, bessere Meldesysteme und eine stärkere Zusammenarbeit der Organisationen untereinander.

Wesentlich pragmatischer gehen da Sandy und Dr. Mark vor. Unsere Verbindung zu dieser Thematik ist nämlich Sandy Fisher, eine engagierte Hebamme aus New Hampshire, die schon viele Jahre immer wieder in Ruboni arbeitet, mit der wir seit 2020 eng zusammenarbeiten und uns abstimmen. Sie tauscht sich regelmäßig insbesondere mit dem im Verein für Ruboni zuständigen Wolfgang Fischer aus. Sie und Dr. Mark Kinene, der den in unserer Mitgliederversammlung 2026 beschlossenen Medizinbus fahren und in Zukunft als Praxis nutzen wird, arbeiten eng zusammen.

In einer ihrer e-mails schreibt sie, dass in dem Dorf Bikone (ein Nachbardorf von Ruboni) die 2020 noch extrem hohe Zahl an schwangeren Teenagern mit Komplikationen bis zu Todesfällen bei Mutter und / oder Kind und die Zahl notwendiger Operationen nach der Entbindung inzwischen auf nahe Null zurück gegangen ist. EMI (der von Sandy und Mark gegründete ugandische Verein „Evone Ministries“) bietet hier nun Vorsorgeuntersuchungen und Aufklärungsmaßnahmen an und stellt sterile „Mama-Kits“ für das Krankenhaus zur Verfügung (Diese beinhalten alles Notwendige, was bei uns eine Schwangere entweder privat ins Krankenhaus mitnimmt oder teilweise von dort erhält, z.B. Binden, Windeln, erster Babyanzug). Auch wenn dies nur ein kleiner Erfolg ist, es beweist, dass die Maßnahmen erfolgreich sind. Das geht so weit, dass Sandy auch entsprechende Vorträge bei Männern hält, die Meinungsmacher sind oder Einfluss haben, z.B. bei der Polizei.

Mark arbeitet gerade daran, einen Vertreter des Gesundheitsministeriums sowie eine  Hebamme aus Rukoki zum Mothers Club von EMI einzuladen, damit die Geschichten der Teenager Gehör finden und präventive Maßnahmen in der Schwangerschaftsvorsorge zur Förderung der Gesundheit von Müttern und Babys verbreitet werden. 

Sandy schildert z.B. das Schicksal der 14‑jährigen Hilda, die mit Blutungen in der 32. Schwangerschaftswoche zum Mothers Club kam. Aufgrund der vorzeitigen Wehen organisierte Dr. Mark den Transport ins Rukoki-Krankenhaus. Trotz starker Blutungen nach der Entbindung wurden keine Blutkonserven verabreicht, so dass Mark auf eigene Rechnung Erythrozytenkonzentrat aus Fort Portal organisierte (Kasese hat keine eigene Blutbank). Die Kosten dafür waren doppelt so hoch wie die Kosten für den Krankenhausaufenthalt, die Eltern des Teenagers hätten die Blutkonserven nicht bezahlen können. Die Organisation von Blutspendeaktionen ist deshalb auch eines von Marks zentralen Zielen im Zusammenhang mit unserem Medizinbus; er selbst spendet regelmäßig Blut und wird dies in Zukunft in den Dörfern verstärkt organisieren. Auch hier ist unser Bus die notwendige Voraussetzung.