Famulantinnen in Naggalama

Maternity
Im OP
Nkokonjeru
Mit Sr. Mary

St. Francis Hospital Naggalama, Uganda – August/September 2016

Nach 12 Stunden Flug sind wir am Flughafen Entebbe von Sandra und James herzlich empfangen und nach Naggalama gebracht worden. Dort verwöhnten sie uns zunächst mit einem super leckeren Abendessen, so dass wir uns sofort heimisch fühlten. Danach konnten wir uns erst einmal von der Reise erholen und in Ruhe unsere Zimmer einrichten.
Am nächsten Tag wurde uns das gesamte Krankenhaus gezeigt und das dortige Personal vorgestellt, bevor wir abschließend unseren späteren Arbeitsplatz, die Maternity (Frauen- und Geburtshilfe), erreichten; dort verbrachten wir die nächsten vier Wochen.

Alle nahmen uns sehr offen und herzlich auf, was uns das Gefühl vermittelte, schon ewig hier zu sein.
In der Maternity waren wir gleich von Beginn an mitten ins Geschehen integriert, konnten die tägliche Visite begleiten und anschließend mit Dr. Otim Simon sowie dem ugandischen Medizinstudenten Alex in den OP gehen. Danach war in der OPD (outpatient private department) die tägliche gynäkologische Sprechstunde, in der wir im Laufe der vier Wochen viele spannende Fälle erleben konnten. Beispielsweise hatten die Patienten oft viel stärkere Krebsausprägungen, als man es in Deutschland jemals sehen würde; ursächlich hierfür dürfte die fehlende routinemäßige Vorsorge sein.

Die Patienten gehen oft erst dann zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht, weil sie für alle Kosten im Krankenhaus selbst aufkommen müssen; eine allgemeine Krankenversicherung gibt es nicht. So wird jede Spritze und jeder Handschuh, die verwendet werden, aufgeschrieben und nach Abschluss der Behandlung in Rechnung gestellt. Häufig ist es dem Patienten erst nach wochenlangem Sparen möglich, den Preis für den Krankenhausaufenthalt zu bezahlen. Dies führte mehrmals dazu, dass OPs abgesagt wurden oder Patienten einfach zu einem anderen Termin erschienen, sobald sie das Geld gespart hatten.

Im OP konnten wir ebenso viele interessante Fälle sehen, die wir in Deutschland vermutlich nicht mehr zu Gesicht bekommen werden. Zudem hatten wir die Möglichkeit, bei Kaiserschnitten verschiedener Operateure dabei zu sein, da nicht nur der Frauenarzt, sondern jeder Arzt hier die Technik beherrschen und die Operation auch regelmäßig durchführen muss. Daran ist gut zu erkennen, dass hier das fächerübergreifende Wissen viel wichtiger ist, als die immer weiter voranschreitende Spezialisierung in den westlichen Ländern.

Dies spiegelte sich auch in der Lehre vor Ort wider. Die Studenten sind ab dem dritten Jahr regelmäßig im Krankenhaus und lernen den Ablauf auf Station, die Anwendung des Wissens und v.a. auch praktische Fertigkeiten. Hier gilt das Motto: „See one, do one, teach one“.

Davon haben auch wir sehr profitiert. So durften wir beispielsweise im OP bald unsere theoretisch erworbenen Kenntnisse in der Praxis anwenden. Während der täglichen Visiten wurde uns sehr viel von Dr. Otim erklärt und unser Wissen auf die Probe gestellt. Auch von den Hebammen konnten wir sehr viel lernen und sie führten uns u.a. in die "Kunst“ ein, Kinder zur Welt zu bringen. Nachdem wir unsere erste Geburt gesehen hatten, hieß es direkt „hands on“ und wir brachten unser erstes Kind unter Anleitung einer Hebamme zur Welt.

Im Laufe der Zeit konnten wir immer selbstständiger arbeiten, sodass die Hebammen am Ende nur noch unterstützend unsere Arbeit beaufsichtigten. Ganz besondere Ereignisse waren die gleich an zwei Tagen hintereinander folgenden Spontangeburten von Zwillingskindern, bei denen wir die Mütter und Kinder begleiteten und sie unterstützten.

Für die Versorgung der Frühgeborenen und erkrankten Kinder war der Kinderarzt Dr. Acleo zuständig, der jeden Tag zur Visite in der Maternity vorbeikam. Er erklärte uns mit viel Enthusiasmus und Geduld die verschiedenen Krankheitsbilder und den Untersuchungsablauf einer Neugeborenuntersuchung.
Auch hier durften wir gleich selbst Hand anlegen und die Kinder am Ende unter Aufsicht komplett selbstständig untersuchen.
Ein besonderes Erlebnis war die Begleitung der „palliative care“, ein Team aus Krankenschwestern, das einmal pro Woche in die umliegenden Dörfer fährt und dort Patienten mit Krebserkrankungen betreut, und diese mit Medikamenten und sonstigen medizinischen Hilfeleistungen versorgt. Für einen weiteren Tag in der Woche ist von Ihnen auch eine Sprechstunde im Krankenhaus eingerichtet, zu der Patienten, die dazu in der Lage sind, regelmäßig kommen können und sollen.

Darüber hinaus hatten wir die Möglichkeit mit den Vereinsmitgliedern Sabine und Rainer Pühl sowie Sr. Mary ein weiteres Partnerkrankenhaus des Vereins in Nkokonjeru zu besuchen.

Der Verein organisierte für das dortige Behindertenwohnheim und das Mutterhaus der Nonnen des St. Francis Ordens höhenverstellbare Betten und Rollstühle. Auch hier wurden wir mit einer unglaublichen Herzlichkeit empfangen. Nachdem alle Betten übergeben waren, luden uns die Schwestern zu einem liebevoll zubereiteten Mittagessen ein.

Ein Hernien-Camp, das in der letzten Woche unseres Aufenthalts stattfand, war nochmals sehr ereignis- und lehrreich. Hierzu kamen Ärzte aus England sowie einige Ärzte aus Uganda, um Patienten mit Nabel- und Leistenbrüchen zu operieren. Die Engländer brachten dabei v.a. als Supervisor den ugandischen Ärzten die OP-Techniken bei. Auch hier hat man wieder gesehen, welch einfache Mittel zum Erfolg führen können. So wurden für die benötigten Netze Moskitonetze klein geschnitten und sterilisiert. Das reduzierte die Kosten für die OP um einiges, ist von der Handhabung, ähnlich gut geeignet und macht die OP somit für mehr Patienten erschwinglich, ohne dass sie einen medizinischen Nachteil in Kauf nehmen müssen. Auch diese letzte Woche war für uns sehr interessant, da wir viele Erklärungen und Informationen erhielten und viele spannende Fälle sehen konnten.

Vor allem eine Situation blieb uns sehr positiv im Gedächtnis. Alle OPs waren wegen des Camps belegt, als eine Frau einen dringenden Kaiserschnitt benötigte. Daraufhin haben alle mit angepackt, einen Nebenraum innerhalb kürzester Zeit in einen OP umfunktioniert und das Kind gesund auf die Welt gebracht. Auch der Mutter ging es den Umständen entsprechend gut.

Leider funktionierte das Management nicht immer so gut, wie an besagtem Tag. Das Bewusstsein, dass z.T. vermeidbare Zeitverzögerungen auftreten, ist zwar vorhanden, allerdings gelingt es nicht immer, die Abläufe zu optimieren. Um entsprechende Verbesserungen auf den Weg zu bringen, findet wöchentlich eine Stationsbesprechung statt, in der Probleme oder Fehler ohne persönliche Schuldzuweisungen erörtert und Lösungsansätze erarbeitet werden, um Fehler in Zukunft zu vermeiden. Auch diese Art der Fehleranalyse und des nachfolgenden Fehlermanagements nehmen wir gerne für unser künftiges Arbeitsleben mit.

Die Zeit im Krankenhaus war sehr lehrreich und interessant für uns! Vor allem aber haben wir uns sehr wohl und heimisch gefühlt und mussten nach den vier Wochen schweren Herzens das Krankenhaus und unsere neuen Freunde verlassen.

Sehr positiv überrascht waren wir von dem medizinischen Standard vor Ort. Es gibt zwar nicht die High-Tech-Geräte wie bei uns, aber mit dem Vorhandenen wird versucht, das Beste für die Patienten herauszuholen und Medizin auf möglichst hohem Niveau zu bieten.

An den Wochenenden und in den zwei Wochen nach dem Praktikum hatten wir die Möglichkeit, das Land, die traumhafte Landschaft und v.a. die faszinierende Tierwelt dieses Landes kennen zu lernen. Zudem konnten wir ein paar Tage in das Nachbarland Ruanda reisen. Obwohl die Länder direkt nebeneinander liegen, sind es doch zwei verschiedene Welten. So liegt in Ruanda kaum Müll auf den öffentlichen Straßen und Plätzen; auch ist die Einfuhr von Plastiktüten verboten. Die Boda-Boda-Fahrer (Moped-Fahrer) müssen einen Helm tragen und dürfen nur einen Passagier mitnehmen, für den sie auch einen Helm brauchen.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei allen unseren Unterstützern bedanken! Dem Verein, der es uns überhaupt erst ermöglichte, diese Erfahrungen zu sammeln; dem Vereinsmitglied Sabine Pühl, die uns auch vor Ort mit Rat und Tat zur Seite stand und viele tolle Tipps geben konnte; Sr. Mary, die immer ein offenes Ohr für uns hatte; Sandra und Justine, die uns im Guesthouse mit leckerem Essen verwöhnten; allen Mitarbeitern des St. Francis Hospital Naggalama, die uns sehr herzlich in die „Krankenhausfamilie“ aufnahmen und v.a. auch unseren Freunden und Familien, die jederzeit für uns da waren und uns bei diesem Abenteuer unterstützten!

Vielen, vielen Dank euch allen für diese tolle Zeit!!!
Thanks a lot to all of you for the great time with you!!!
Theresa Sendner und Jasmine Wörrlein