Juliane, Sven, Franziska und James
Kreißsaal
Eltern bei ihrem Kind
Wochenmarkt
Nashornmutter mit Kind
Im Nationalpark
Ziplining

Viele Jahre schon hatte ich den Wunsch, einmal in Afrika helfen zu können. Im Frühjahr 2016 konnte ich ihn mir endlich erfüllen. Gut vorbereitet durch Sabine Pühl, Sarah und Juliane (ehemalige Famulanten 2015) und Wolfgang Fischer startete ich aufgeregt Richtung Uganda und landete schließlich nach vielen Stunden Flug in Entebbe.

Ein Fahrer brachte mich zu den beiden deutschen Ärzten Juliane Schümann und Sven Wentrup zum Lubaga Hospital, bei denen ich eine Nacht blieb. Nach einem tollen Frühstück bei den Beiden ging es mit dem Fahrer James Richtung Naggalama Hospital. Auch da war der Empfang  sehr herzlich und Sandra hatte toll gekocht. An diesem Tag musste ich mich dem Jetlag geschlagen geben und fiel ziemlich müde und geschafft relativ zeitig ins Bett (Bild: Juliane, Sven, James, ich).

Am nächsten Tag gab‘s eine Führung über das Klinikareal und ich begrüßte alle Ärzte der unterschiedlichen Fachrichtungen.   Mit viel Respekt vor der Arbeit entschied ich mich, in der Gynäkologie bei Dr. Otim zu starten.

Anfangs musste ich erstmal meine Sinne schärfen, denn die altbekannten technischen Hilfsmittel, wie wir sie in Deutschland haben, gibt es hier nicht. Eine schwangere Frau ohne Ultraschall und Blutabnahme zu untersuchen, wäre bei uns undenkbar. Doch es geht. Man fühlt einfach: wie liegt das Baby, wo ist der Kopf und wo ist der Po und mit einem hölzernen Stethoskop kann man - mit viel Übung - auch die Herztöne über den Bauch der Mutter wahrnehmen. Da das „Kinder kriegen“ in Afrika quasi zum Alltag gehört, bekommt man schnell die Kniffe heraus, die einem helfen, alles gut einzuschätzen. Neben normalen Einlingsgeburten gab es aber auch Zwillingsgeburten, die spontan abliefen. Die Schwestern hatten alles gut im Griff und ich war erstaunt, als zwei kleine Erdenbürger mit nur 800 und 900 g das Licht der Welt erblickten. Im Verlauf hatte ich das Glück mitzubekommen, dass sich die Kleinen sehr gut entwickelten und nach 2 Wochen gut an Gewicht zugelegt hatten, was bei anderen leider nicht immer der Fall war… (Bild: Kreißsaal und Geburtsstation)

Neben der normalen Stationsarbeit gab es auch Notfälle, die dringend behandelt werden mussten. Ich erinnere mich da an einen Mann, der seine Frau auf Händen tragend auf die Station brachte. Sie sei im 3.Monat schwanger, hätte über Schmerzen geklagt und seit über einer Woche hätte sie Blutungen. Jedoch war es wohl erst heute möglich, dass ein Freund sie fahren konnte und sie sich das Geld für die Behandlung von der Familie geliehen hätten. Diese zwei Probleme sind so enorm hier, dass es leider dadurch einfach viel zu oft zu einer zu späten Hilfe kommt.  Leider konnten wir den Feten nicht mehr retten. Die 21-Jährige hat ihr Kind verloren.

Um die Probleme von Fahrt und Bezahlung nochmals zu verdeutlichen, schildere ich noch einen Fall. Ich schätze eine Mitte 20-jährige, 35. Schwangerschaftswoche, gab an, dass sich ihr Kind seit 2 Wochen nicht mehr bewegt hat. Sie konnte jedoch erst jetzt kommen, weil sie das Geld erst leihen musste. Im Ultraschall konnte nur noch der intrauterine Fruchttod festgestellt werden.  Daraufhin haben sie die Geburt eingeleitet und den kleinen Jungen auf die Welt geholt. Er sah ganz normal aus, nur die Plazenta war klein und die Nabelschur tief dunkelrot. Vielleicht hätte man eher helfen können, aber ich glaube, diese Frage stellt hier keiner. Man freut sich über das, was machbar ist und über die Menschen, die man mit der möglichen Hilfe retten konnte. Gerade solche Fälle haben mich sehr nachdenklich gemacht, wie gut geht es uns eigentlich und auf was für einem Niveau wir manchmal schimpfen.

Mit vielen neuen Eindrücken, aber auch manchmal einem Gefühl der Hilflosigkeit wollte ich noch mehr von der Arbeit auf den anderen Stationen sehen: so assistierte ich Dr. Acleo auf der Kinderstation. Zum ersten Mal in meiner Zeit hier sah ich diese armen kranken Kinder, mit aufgedunsenem Bauch und völlig ausgehungert. In diesem Moment war ich einfach geschockt. Genauso, wie die Kinder, die man immer sieht, wenn es im TV um Not und Armut in Afrika geht, lag es vor mir. Der Mutter wurde angeraten, spezielle proteinreiche Nahrung zu kaufen. Später wurde sie in ein anderes Krankenhaus verlegt, wo man dem Kleinen sicherlich noch etwas besser helfen konnte. Im Verlauf  sah ich Kinder mit Lungenentzündungen, Nephritis, Malaria, Typhus und von Unfällen gezeichnete kleine Gesichter.

Ein kleines Mädchen hatte es schwerer erwischt, nachdem in der Küche der Familie die Gasflasche Feuer gefangen hatte. Sie stand direkt in der Flamme und hat sich gute 10% der Körperoberfläche verbrannt (Brust, Gesicht und Unterarm). Von der nötigen Therapie mussten die Eltern mehrfach überzeugt werden, da sie die angelegte Verbände ständig wieder entfernten.

Da hier ausschließlich Schwestern medizinische Versorgungen übernehmen, sind die Eltern immer da, das sieht man an den Matten neben den Kinderbetten und den darauf schlafenden Personen. Auch die komplette Versorgung wie Essen, Toilettengang und Wäsche muss von der Familie übernommen werden.

Dr. Acleo besprach jeden Tag die Krankenakten und deren Verläufe mit mir, wendete sich sehr liebevoll den Kinder zu und versuchte auch, die Eltern von notwendigen Therapien zu überzeugen. Sehr oft fehlte es nämlich an dem medizinischen Verständnis der Eltern, dass Krankheiten, nur weil sie von allein gekommen sind, nicht wieder von allein gehen. Oder dass eine Banane pro Tag für ein Kind, keine ausreichende und abwechslungsreiche Kost darbietet (Bild: Eltern beim Kind).

Mit den Schwestern übernahm ich die Verbandswechsel der Kinder, die leider ohne Narkose oder dergleichen abliefen. Dass das bei schweren Verbrennungen fürchterlich wehgetan haben muss, zerreißt mir immer noch das Herz. Doch die kleinen Patienten waren sehr dankbar für die Hilfe, sowohl Dr. Acleo als auch ich als Muzungu-Ärztin („Weisse“ Ärztin) wurden dafür regelmäßig gedrückt. Auch beim Wochenenddienst konnte ich helfen, denn meist jagte ein Notfall den nächsten. Bis mittags hatten wir schon drei Kaiserschnitte erledigt und darunter ein Neugeborenes reanimiert und beatmet, bis es sich nach wenigen Minuten gefangen hatte und die Hautfarbe von blau in pink wechselte. Oh Mann, die überforderte Schwester und ich gaben unser Bestes...denn wir waren auf uns allein gestellt, der einzige Arzt war mit der OP der Mutter beschäftigt. Ein extra Kinderarzt ist egal bei welchem Patient oder zu welcher Zeit nicht da! Ich war so froh, als der kleine Bub allein atmete und die Schwester mich zum ersten Mal anlächelte. Die Visite danach dauerte nochmal gute 5 Stunden.

Anders als in Deutschland sind die Ärzte hier keinem speziellen Fachgebiet zugeordnet. Jeder hat somit Einblick in Chirurgie, Innere und Kindermedizin. Ein enormes Pensum, was da gewusst und angewandt werden muss.  Großen Respekt für alle im Krankenhaus

 (Bild: Wochenmarkt)

An meinen freien Tagen versuchte ich, mir das Land näher anzuschauen. Ich unternahm einen Wochenendtrip nach Jinja, rund 2 Std. vom Krankenhaus entfernt. Die Stadt interessierte mich, da hier der Entstehungsort des Nil liegt, Afrikas längster Fluss. Bei einer Bootstour auf dem Viktoria Lake  konnte ich viele verschiedene Vogelarten bestaunen und die Entstehung des Nils wurde mir nähergebracht. Die unterirdischen Quellen (stille Wasser) und der See an sich (wilde Wasser) vereinigen sich und bilden den Nil. Bei tollen warmen 30 Grad konnte ich dort gut entspannen und Energie für eine neue Arbeitswoche tanken.

Auch eine Safari stand auf meinem Tourzettel. Das Ziel hieß:  Murchison Falls Nationalpark mit einem Abstecher zum ZIWA RHINO SANCTUARY (Nashorn-Schutzgebiet). Eine lange Fahrt stand bevor, soviel war mir klar. Nach ca. 1 h gab‘s dann erstmal eine 'ugandische Massage' -so nennen die das hier, wenn die Straßen so schlecht sind, dass Man(n) oder Frau trotz Sicherheitsgurten durchs Auto fliegen. Ich war noch nie so froh, dass eine Massage endlich zu Ende war! Nach knapp 4 Stunden Fahrt erreichten wir das 1. Ziel: ZIWA RHINO SANCTUARY , eine Farm für Nashörner. Dort erfuhr ich, dass es in Uganda keine freilebenden Rhinos mehr gibt und der dortige Bestand von überall auf der Welt kommt. Derzeit ist die Gruppe ca. 20 Tiere stark und man freut sich immer riesig über Nachwuchs. Zum Beispiel wie über den kleinen Obama, dessen Mutter aus der ugandischen Zucht stammt und dem Vater aus den USA, ganz ähnlich wie beim Original. Wir machten uns dann mit einem Ranger auf und 'suchten' ein paar Nashörner. Gefunden haben wir eine Mutter mit ihrem Baby (4 Monate alt) und den zugehörigen Papa - echt erstaunliche Tiere. (Bild Nashornmutter mit Kind)

Nochmals gute 3 Stunden später kamen wir dann in der Unterkunft an -Fort Murchison Nature Lodge. Da gibt es überdachte Zelte mit Betten und einen tollen Ausblick auf den Albert-Lake. Der nächste Morgen startete noch früher als gedacht, kurz nach 6 Uhr:  ab zur Safari. Denn am Morgen gibt es die meisten Tiere zu beobachten. Und so war es auch. Gleich nach dem Eingang Affen, Giraffen und viele Unterarten von Hirschen. Etwas später folgten dann Elefantenherden und ganz viele Hippos im Lake. Jedoch suchten wir Löwen und Leoparden heute umsonst. Keine Gruppe konnte welche sehen, jedoch waren überall Knochenreste/-haufen zu finden (Bild Nationalpark).

Nach dem Mittagessen im Nationalpark startete dann Programmpunkt 2: Murchison Falls. Der Nil stürzt in einer engen Schlucht 6 Meter breit rund 45 Meter in die Tiefe. Bis zu einem Ausstiegspunkt hat uns ein Boot gebracht, danach sind wir bis ganz nach oben geklettert, um die Wasserfälle hinunterblicken zu können. Es war ziemlich schweißtreibend: Teilweise Treppenstufen, die fast einen Meter Höhenunterschied hatten. Aber alle aus der Gruppe haben es geschafft und an vielen Aussichtspunkten hatten wir Gelegenheit, fantastische  Fotos zu machen. Der Tag wurde noch gekrönt, als abends ein heftiger Regen einsetzte und man endlich mal nicht völlig durchgeschwitzt am nächsten Morgen aufwachen musste. Herrlich (Bild Murchison Falls)!Diese tolle Tour, die fantastischen Tiere und die unglaubliche Natur werde ich nie vergessen. Ein absolutes MUSS, wenn man in Uganda ist.

Einen Insidertipp hatte ich noch bekommen, welcher der Abschluss meines Urlaubs sein sollte. Im Mabira Forest Griffin Falls Camp gibt es eine  Ziplining-Anlage. Dabei ist man mit einem Geschirr gesichert und fliegt an einem Seil hängend durch die Baumkronen. Der Wald war naturbelassen und endlich mal ein Stück Erde in Uganda, was nicht mit Müll bedeckt ist. Von weiten sahen wir schon die Plattformen in den Bäumen. Dann hielten wir vor einem besonders hohen Baum an und ich wunderte mich, warum? Aber ganz klar, um das Ziplining zu machen, mussten wir erstmal dort hoch. Ha, bei den Guides ging das flott, ohne Sicherung wie kleine Affen. Bei mir dauerte es etwas länger...ich war auch aus der Puste...und hatte auch weiche Knie...aber die Aussicht war fantastisch. Nachdem mehrere Papageien über uns hinweg flogen, war ich restlos begeistert. Man fühlte sich wie ein Teil der Natur und bei jedem Flug kribbelte es im Bauch (Bild Ziplining).

Auf dem Rückweg zum Camp konnten wir noch Mangabey-Affen sehen. Diese Affenart wurde erst 2007 identifiziert und ist einzigartig nur in Uganda zu finden. So wurden wir ein ganzes Stück von gut 20 Tieren begleitet und dies bildete einen tollen Abschluss eines noch besseren Tages.

Zum Schluss möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei der „Patenschaft Gesunde Welt“ bedanken, die es ermöglicht hat, dass ich meinen jahrelangen Traum erfüllen konnte. Danke auch an Wolfgang Fischer und Sabine Pühl für ihre super Vorbereitung!!!
Liebe Grüße, Franziska Büttner